Skandinavien – Teil 3: Tiveden Nationalpark – Malmö

Unsere nächste Etappe ist abermals von einem krassen landschaftlichen Szenewechsel geprägt. Erstmals nach fast 2 Wochen wird unser „Schlafzimmer“ nicht mehr direkt an irgendeiner Küste stehen. Wir begeben uns ins Landesinnere in den Tiveden Nationalpark. Unsere Route führt uns vorbei an Vänern und Vättern. Zwei unglaublich riesige Seen, ersterer immerhin der größte innerhalb der EU. Dabei ist es wieder die Fahrt an sich, die uns schon begeistert. Der Kopf ist frei und unser „mind setting“ komplett offen! Es ist das Besondere an dieser Art zu reisen, dass wir mit jedem Kilometer Fahrt das Land und mit jedem Stopp die Leute besser kennen lernen. Egal ob wir irgendwo Essen gehen oder einen Einkauf zur Selbstversorgung tätigen, wir haben das Gefühl, die Bilanz zwischen dem was wir hier lassen und was wir mitnehmen stimmt.

Je weiter wir in das Landesinnere vorstoßen, von desto weniger Verkehr und mehr Natur sind wir umgeben. Die letzten Kilometer bewegen wir uns auf Güterwegen durch schier unendliche Wälder vorbei an unzähligen kleineren und größeren Seen. Wir bekommen eine Ahnung, warum sich hier vieles etwas freier anfühlt – es gibt einfach unglaublich viel Platz für sehr wenige Menschen. Dabei befinden wir uns immer noch im insgesamt relativ dicht besiedelten Südschweden. Für uns steht fest, irgendwann einmal möchten wir noch weiter in den Norden kommen. Fürs erste ist dieser Trip aber bereits beeindruckend genug. Auf eine ganz andere Weise faszinierend, ist für uns die perfekt ausgebaute, moderne Infrastruktur. Bis in den letzten Winkel ist alles vorhanden, von der Möglichkeit mit Karte zu bezahlen bis hin zu Handyempfang und WLAN-Angeboten.

Mitten in Tiveden schlagen wir unser Lager auf einem großzügigen, naturnahen Campingplatz auf.

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Wir verbringen die folgenden Tage mit Rad-, Wander-, und Kanutouren … und mit Beerensammeln. Auch hiervon gibt es so viele, dass die wenigen Menschen sie niemals leerpflücken könnten.

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Zu diesem Zeitpunkt unserer Reise ist längst klar, wir würden solch ein Leben auch noch etwas länger aushalten. Klar könnte man meinen, wer will nicht ständig im Urlaub sein, aber ich meine damit auch ein paar Aspekte, die wirklich zu denken geben. Wie wäre es beispielsweise wirklich, sich einmal ein Jahr herauszunehmen? Da gibt es natürlich viele Wiederstände – Jasmin und ich sind beruflich und sozial stark verwurzelt, wir können und wollen nicht von heute auf morgen alle vor den Kopf stoßen und uns der Verantwortung entziehen. Und dann ist da natürlich die Schulpflicht. Auch die hat natürlich ihren Sinn. Andererseits tragen wir auch alle Verantwortung für den gesamten Planeten und die Menschen die darauf leben – und dieses Bewusstsein steigt, je mehr man sich auf ihm bewegt. Die Kinder machen in den wenigen Wochen unserer Reise Entwicklungssprünge, wie sonst über Monate nicht. Sie lernen hier einfach vieles, was im Alltag unserer intellektualisierten, kleinteiligen, oftmals hysterisch aufbauschenden Gesellschaft  keinen Platz mehr hat. Weitblick, Offenheit, Großzügigkeit, soziale Kompetenz, (physische) Beweglichkeit, Flexibilität, Intuition, Instinkt, … . Wir sind überzeugt, dass all diese Dinge „überlebens-wichtig“ sind. Vielleicht nicht unbedingt um in unsere Konsumgesellschaft beruflich erfolgreich zu sein, aber ganz sicher um mit sich und der Welt ins Reine zu kommen.

Ein Filmtipp zu diesem Thema: Captain Fantastic sicherlich etwas übertrieben dargestellt, aber die gegensätzlichen Aspekte der Thematik werden sehr gut und einfühlsam aufgearbeitet.

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Als nach 4 Tagen die nächste Etappe ansteht, sind wir auch etwas melancholisch gestimmt. Erstmals seit Antritt unserer Reise werden wir uns zurück richtig Süden bewegen. Ein Wendepunkt also. Andererseits ist es noch lange nicht das Ende unserer Tour und die Vorfreude auf die nächsten Erlebnisse überwiegt.

Unsere Fahrt führt uns entlang des Vättern durch die Universitätsstadt Jönköping (in der wir wieder eines der typischen innovativen Lokale entdecken) bis nach Ystad.

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In Ystad suchen wir einen Campingplatz, der als Geheimtipp in einem alternativen Campingführer erwähnt ist, weil er nur durch eine Sanddüne getrennt direkt am Meer gelegen ist. Das stellt sich zwar als richtig heraus und der Strand selbst ist auch recht schön, aber der Campingplatz selbst ist ziemlich genau das Gegenteil von dem was wir und vorgestellt haben. Dauer- und Wochencamper verteidigen hier ihre, strikt mit Linien eingezeichneten Miniparzellen. Der Massentourismus hat Ystad fest im Griff.

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Schon cool: Am Strand finden wir hier statt Muscheln jede Menge schöner Steine in allen Farben und Formen. Das begeistert besonders Valentin, der von jedem Ort den wir besuchen, typische Steine sammelt.

Am nächsten Morgen hält uns trotzdem nicht viel und wir ziehen gleich weiter in Richtung Malmö, was sich als gute Entscheidung heraus stellt, denn diese Stadt hat uns von der ersten Minute an, ihr Lifestyle zieht uns voll in ihren Bann. Dieser ist irgendwie cool, offen, positiv und völlig unaufgeregt zugleich. In den Geschäften bekommt man fast ausschließlich hochwertige, nachhaltige Ware – alles ist irgendwie gut organisiert und sauber, aber trotzdem nie bieder. Nach kurzer Recherche erfahren wir, dass die Stadt wirtschaftlich floriert, vor allem seit Sie durch die Öresundbrücke direkt mit Kopenhagen verbunden ist. Sie gilt als dessen gemütlichere kleine Schwester und wer Kopenhagen kennt weiß, dass dieses auch schon nicht ganz ungemütlich und dabei ziemlich pulsierend ist.

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Die Fotos wurden übrigens in den frühen Morgenstunden aufgenommen. So ruhig ist es nur zu dieser Zeit. Nachmittags und Abends sind die Straßen voll und es pulsiert ganz ordentlich.

Wir haben keine Lust mehr uns einen Campingplatz zu suchen und übernachten daher direkt am Hafen auf einem Parkplatz – idealerweise mit Frühstückstisch nebenan.

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Anschließend ist es dann endgültig soweit und wir machen uns auf die zweitägige Heimfahrt mit Zwischenstopp an einem Badesee bei Hannover.

Mit Nachhause nehmen wir vor allem viele Eindrücke aber auch das Gefühl, dass sich unser Leben doch ein wenig verändert hat.

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